Immer mehr Menschen haben Probleme mit der herkömmlichen, modernen Medizin. Sie
fürchten sich vor Ärzten, die in der Regel wenig Zeit für sie haben und die sie
nicht gründlich aufklären, sie zweifeln an Medikamenten, von denen sie nicht
wirklich wissen, was sie enthalten und was sie letztendlich bewirken.
Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat die Alternative Medizin immer mehr
Anhänger gefunden. Immer mehr Menschen suchen bei Beschwerden und Krankheiten
Hilfe in der Medizin, die es teilweise schon seit Jahrhunderten gibt.
Das Grundprinzip der Alternativen Medizin ist das Zusammenwirken von Körper und
Geist. Eine Ganzheitliche Medizin, die sich nicht nur auf den Körper beschränkt,
sondern auch den Geist und die Seele mit einbezieht.
Eine der bekanntesten Alternativen Heilmethoden ist die Homöopathie.
Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann entwickelte um das Jahr 1800 die Theorie, das
Gleiches nur mit Gleichem behandelt werden kann. Wenn ein gesunder Mensch eine
Substanz zu sich nimmt und diese bei ihm Krankheitsymtome auslöst, dann ist
diese Substanz auch für den kranken Menschen anwendbar. Hahnemann machte einen
Selbstversuch, in dem er Chinarinde zu sich nahm und daraufhin Fieberanfälle
bekam, die denen einer Malaria ähnlich waren. Seiner Meinung nach, war
Chinarinde also ein Mittel gegen Malaria. Da viele der Substanzen die Hahnemann
ausprobierte in konzentrierter Form tödlich sind, begann er die Pflanzen zu
verdünnen oder zu zerreiben.
Eine Voraussetzung für angewandte Homöopathie ist die genaue Anamnese des
Patienten zu kennen. Erst dann wird bestimmt welche Pflanze, in welchem Grad der
Verdünnung wirksam sein kann.
Da manche Substanzen so lange in Alkohol oder Wasser verdünnt oder mit
Milchzucker zerrieben werden, bis sie kaum noch nachweisbar sind, halten
Kritiker die Homöopathie für sinnlos und setzten die Wirkung mit einem
Placeboeffekt gleich. Homöopathie ist keine einheitliche Lehre, da die
Auslegungen zu unterschiedlich sind.
Ähnlich kritisch stehen viele der Bachblütentherapie gegenüber.
"Jede Krankheit resultiert aus einer seelischen Gleichgewichtsstörung". Dieser
Ansicht war der englische Arzt Edward Bach. Seiner Meinung nach hat jeder Mensch
38 nicht harmonische Gemütszustände. Er ordnete diesen Gemütszuständen, wie
Trauer, Wut oder Angst Pflanzen zu. Diese Pflanzen werden so lange gekocht, bis
die Schwingungen der Pflanze in das Wasser übergehen und das getrunkene Wasser
schließlich die Blockierung der Seele auflöst. Wie schon bei der Homöopathie,
werden die Substanzen so lange verdünnt, bis die eigentliche Wirkung nicht mehr
nachweisbar ist.
Die Bachblütentherapie gehört nicht zur alternativen Pytotherapie
(Pflanzenheilkunde), da es sich bei dieser Therapie nicht um Heilpflanzen
handelt.
Ein Zweig der Alternativen Medizin ist die Klostermedizin.
Im Hochmittelalter zwischen dem 8.- und 12. Jahrhundert waren Hospitäler in
Klöstern untergebracht. Es war Nonnen und Mönchen vorbehalten, Kranke zu
behandeln. Sie taten es mit Kräutern. Liebstöckl, Minze, Kerbel, Wermut und
Salbei sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem zahlreichen Heilkräutern, die
auch Hildegard von Bingen im zwölften Jahrhundert in ihren Büchern erwähnt hat.
Da die Menschen zu dieser Zeit davon überzeugt waren, das alle Krankheiten von
Gott kommen, kann die Heilung auch nur aus der Apotheke Gottes, also den
Pflanzen kommen.
Noch heute profitieren wir von dieser Lehre. Holunder im Verhältnis von 1:3 mit
Wasser verdünnt ist heiß getrunken, ein hervorragendes Erkältungsmittel und bei
Heiserkeit wirkt Salbeitee wahre Wunder.
Ein wichtiger Eckpfeiler der Alternativen Medizin ist die chinesische Heilkunde.
Seit 2000 Jahren wird diese Medizin in China angewandt und findet auch in Europa
immer mehr Anhänger.
Am bekanntesten ist wohl die Akupunktur. Das gezielte Einstechen von Nadeln in
sogenannte Meridiane, Nerven oder Muskeln um bestimmte Körperpartien zu
entkrampfen, zu betäuben oder Blockaden zu lösen. Zur traditionellen
chinesischen Heilkunde gehören neben der Akupunktur vor allem die
Bewegungsübungen Qigong und Massagen.
Chinesische Ärzte verlassen sich ausschließlich auf die Puls und Zungendiagnose
oder orientieren sich an der Klarheit der Iris, um ein Krankheitsbild zu
erstellen.
Viele alternative Methoden der Heilkunde haben bereits Einlass in die moderne
Medizin gefunden. So werden homöopathische Mittel begleitend zu einer
Chemotherapie gegeben, um Nebenwirkungen zu lindern und dem Patienten die Angst
zu nehmen oder bei Depressionen zu helfen.
Um das Immunsystem zu stärken empfehlen Ärzte das Tau- und Wassertreten nach
Pfarrer Kneipp und selbst in der Transplatationschirurgie werden Blutegel
einsetzt, um die Blutzirkulation zu verbessern.