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Evidenzbasierte Medizin Glossar A-Z
Fall-Kontroll-StudieRetrospektive Beobachtungsstudie, bei der eine Gruppe von Personen mit einer Zielerkrankung („Fällen“) und eine Gruppe von Personen ohne die Erkrankung („Kontrollen“) auf das Vorhandensein von Expositionsfaktoren (Risiko- oder protektive Faktoren) verglichen werden.
Gewichtete mittlere Differenz (Weighted Mean Difference, WMD)
Effektmaß für kontinuierliche Endpunkte (s. Effektmaß*), die auf derselben Skala gemessen werden (z.B. Größe) zur Beschreibung des Gesamteffekts, wenn Studien in Meta-Analysen gepoolt werden. Dabei erhalten die Einzelstudien ein unterschiedliches Gewicht, um wichtige Studieninformationen, wie z.B. Größe der Studie oder Präzision des Effekts, zu berücksichtigen.
Hawthorne-Effekt/Hawthorne-Experiment
Phänomen, dass in Studien allein durch die Tatsache, dass Probanden vermehrte Aufmerksamkeit erfahren, Effekte erzeugt werden können. Erkenntnis stammt von einem kontrollierten sozialwissenschaftlichen Experiment, mit dem 1927 in den Hawthorne-Werken (USA) überprüft werden sollte, inwieweit eine Verbesserung der äußeren Arbeitsbedingungen (Ergonomie, Lichtverhältnisse, Pausenzeiten, Länge des Arbeitstages) die Produktivität von Arbeiterinnen steigern kann. Vor, während und nach der Versuchsreihe fanden intensive Besprechungen mit den Probandinnen statt. Die Leistungen der Arbeiterinnen mit geänderten Arbeitsbedingungen wurden mit den Leistungen einer Kontrollgruppe verglichen. Überraschenderweise stieg die Produktivität in beiden Gruppen an, d.h. auch in der Kontrollgruppe, die nur vermehrte Aufmerksamkeit, aber keine verbesserten Arbeitsbedingungen erfuhr.
Heterogenität/Homogenität
In systematischen Reviews oder Meta-Analysen bezeichnet Homogenität (Heterogenität), inwieweit die in den eingeschlossenen Studien gefundenen Effekte ähnlich (homogen) oder verschieden (heterogen) sind. Mit statistischen Heterogenitätstests kann festgestellt werden, ob die Unterschiede zwischen den Studien größer sind, als zufallsbedingt zu erwarten wäre. Als Ursachen für Heterogenität kommen Unterschiede in den Patientencharakteristika, Intervention oder Endpunkte zwischen den Studien in Frage, was aus klinischer Sicht beurteilt werden muss. Die Durchführung einer Meta-Analyse* aus heterogenen Studien ist problematisch.
Hypothese
Aussage, Behauptung, oder Theorie, deren Zutreffen oder Nicht-Zutreffen mit Hilfe einer Studie oder eines Experimentes geprüft werden soll.
Hypothesengenerierung
Prozess des Ableitens von Hypothesen*, die in einer Studie oder mithilfe eines Experimentes überprüft werden können. Überprüfbare Hypothesen werden aus theoretischen Ableitungen, zufälligen oder systematischen Beobachtungen oder Pilotstudien gewonnen.
Intention-to-treat-Analyse
Analyse-Technik, bei der die Patienten nach ihrer ursprünglichen Gruppenzuteilung analysiert werden, unabhängig davon, ob sie die zugeordnete (intendierte) Therapieform vollständig, partiell oder gar nicht erhalten haben, oder ob sie in die alternative Behandlungsgruppe übergewechselt sind.
Intervention
In klinischen Studien Bezeichnung für die Maßnahme, deren Wirksamkeit untersucht werden soll. Interventionsstudie*; Kontrollgruppe*; Risikoreduktion*.
Inzidenz
Die Inzidenz beschreibt die in einem bestimmten Zeitraum neu aufgetretene Anzahl an Krankheitsfällen in einer definierten Population. S. auch Prävalenz*.
Klinische Studie
Unscharf definierter Begriff für eine Studie, in der eine Intervention an einer Gruppe von Patienten untersucht wird. Oberbegriff für unterschiedliche Studientypen, z.B. nicht kontrollierte, kontrollierte und randomisierte klinische Studien.
Kohorte
Gruppe von Personen mit gemeinsamen Charakteristika (z.B. Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand), die in klinischen und epidemiologischen Studien beobachtet werden (s. Kohortenstudie); Einteilung: 1. geschlossene Kohorte: Alle Probanden werden zum gleichen Zeitpunkt in die Beobachtung eingeschlossen und verbleiben dort bis zum Eintritt des Zielereignisses oder bis zum Ende der Studie. 2. offene Kohorte: Personen werden nach und nach in die Beobachtung aufgenommen und/oder scheiden nach einer definierten Beobachtungsdauer wieder aus der Studie aus. 3. Sonderform Geburtskohorte: enthält alle Personen einer umschriebenen Region, die im gleichen, meist eng definierten Zeitraum geboren wurden.
Kohortenstudie
Vergleichende Beobachtungsstudie, in der Personen (Kohorte) mit bzw. ohne eine Intervention/Exposition (zu der sie nicht von dem Studienarzt zugeteilt wurden) über einen definierten Zeitraum beobachtet werden, um Unterschiede im Auftreten der Zielerkrankung festzustellen. Kohortenstudien können prospektiv oder retrospektiv durchgeführt werden.
Konfidenzintervall (Vertrauensbereich, confidence interval – CI)
Bereich, in dem der „wahre“ Wert einer Messung (Effektgröße) mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann (üblicherweise 95% 95%-Konfidenzintervall). Die Effektgröße kann dabei z.B. ein Therapieeffekt, ein Risiko oder die Sensitivität eines diagnostischen Tests sein. Das Konfidenzintervall beschreibt die Unsicherheit über die Zuverlässigkeit der Aussage zur Effektgröße. Die Breite des Konfidenzintervalls hängt u.a. von der Zahl der in die Studie eingeschlossenen Patienten ab und wird mit zunehmender Patientenzahl enger, d.h. die Effektgröße kann präziser geschätzt werden.
Kontinuierliche/stetige Variablen
Im Gegensatz zu diskreten* Variablen können kontinuierliche Variablen theoretisch eine unendlich große Zahl von Werten entlang eines Kontinuums annehmen. Körpergröße, Gewicht und viele Laborwerte sind kontinuierliche Variablen.
Kontrollgruppe
Anteil an der Studienpopulation in einer kontrollierten Interventionsstudie, der die zu untersuchende Behandlung/Intervention* nicht erhält, aber ggfs. mit einer Plazebointervention oder einer Standardbehandlung versorgt wird; die Resultate der Kontrollgruppe werden mit denen der Behandlungsgruppe* verglichen, um Aussagen über Größe und Richtung von Interventionserfolgen zu erhalten.
Behandlungsgruppe*; Control Event Rate*; Randomisierung; * Hawthorne-Experiment*
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