"Jeder Hippie muss mal Pippi." Was aber ist, wenn er nicht kann.
Ode(r es tut weh. Oder er muss andauernd. Dann muss der Urologe ran.
Der ist Spezialist, wenn es um die Diagnostik und Therapie von
Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege geht. Und er
behandelt nicht nur Hippies, sondern Männer, Frauen und Kinder. Harnwegsentzündungen und Steinleiden sind heute so häufig, dass
manch einer sogar von einer Volkskrankheit spricht. Auch die
"Männerkrankheiten" z. B. Erkrankungen der Prostata,
Hodenentzündungen oder Erektionsstörungen gehören in die urologische
Praxis.
Leitsymptome in der Urologie:
Urinmenge: Polyurie, Oligurie, Anurie
Miktion heißt Blasenentleerung. Miktion ist der medizinische
Fachbegriff für die Blasenentleerung. Unter dem Begriff
Miktionsstörungen werden alle Erscheinungsformen einer Veränderung
oder Störung bei der Blasenentleerung zusammengefasst. Auch die
Menge des täglichen Urins ist wichtig. Die Gründe für
Miktionsveränderungen sind vielfältig. Sie können entzündlich,
mechanisch, neurogen oder psychogen begründet sein.
Beobachtungen auf der Toilette können viele Hinweise geben. Die
Harnausscheidung ist ein alltäglicher Vorgang. Dabei kann jeder
Mensch selbst einige Beobachtungen machen, die Hinweise auf
körperliche Vorgänge geben. So zählt die Betrachtung des Urins zu
den ältesten diagnostischen Verfahren in der Medizin überhaupt. Zu
diesen allgemeinen Hinweisen gehören:
die Menge des täglich ausgeschiedenen Urins wechselt
die Farbe ist veränderlich
die Häufigkeit, mit der jemand zur Toilette muss, ist
unterschiedlich.
Viel - wenig - oder fast gar nichts:
Die Urinmenge ist oft richtungweisend. Als erstes ist wichtig, wie
viel Urin ein Patient pro Tag ausscheidet. Die tägliche
Harnproduktion ist dabei abhängig von der Flüssigkeitszufuhr. Sie
schwankt, je nachdem, wie viel jemand trinkt, zwischen
durchschnittlich 1000 bis 1500 ml pro 24 Stunden. Abweichungen davon
werden medizinisch bezeichnet als:
Anurie: wenn kein Urin oder weniger als 100 ml pro 24 Stunden werden
ausgeschieden.
Oligurie: wenn wenig Urin, d.h. weniger als 500 ml am Tag
ausgeschieden werden.
Polyurie: wenn die tägliche Urinmenge über 4 Liter beträgt.
Diese Einteilung verschafft dem Arzt einen ersten Überblick über
mögliche Krankheitsprozesse, denn jede Verschiebung der Urinmenge
kann unterschiedliche Ursachen haben.
Anurie und Oligurie deuten auf einen Mangel an Flüssigkeit. Ist die
Urinausscheidung vermindert wie bei der Anurie oder in weniger
drastischer Form der Oligurie, so kommt als erster Grund
Flüssigkeitsmangel in Frage. Möglich ist, dass der Betroffene zu
viel Flüssigkeit relativ zu seiner Trinkmenge verbraucht, z. B.
Schwerstarbeiter wie Bergleute, Hüttenarbeiter oder Sportler. Der
Betroffene kann aber auch zu wenig trinken, z. B. weil sein Körper
keinen Durst anzeigt. Das ist sehr häufig bei älteren Menschen der
Fall. Sie rutschen oft ganz allmählich unbewusst in einen
Flüssigkeitsmangel ab, weil sie keinen Durst verspüren.
Ursachen für eine veränderte Urinausscheidung können auf
systemischen Erkrankungen beruhen, die sich auf die Niere auswirken.
Sind diese Gründe für eine verminderte Urinausscheidung
ausgeschlossen, so kann die Ursache auch in Störungen des
Herz-Kreislaufsystems liegen. Bei einer Herzinsuffizienz zum
Beispiel lagert der Betroffene vermehrt Wasser im Gewebe ein anstatt
es auszuscheiden. Solche Ursachen bezeichnet der Arzt als prärenal,
das bedeutet "vor der Niere gelegen" (prä= vor, Ren= Niere). Liegt
die Ursache für eine vermehrte Urinausscheidung vor der Niere, so
sind die Nieren gesund, und eine andere Erkrankung findet lediglich
in der ausgeschiedenen Harnmenge ihren Ausdruck. Als prärenale
Ursachen kommen drei Gruppen von Erkrankungen in Frage. Bei der
einen Gruppe nimmt die Erkrankung indirekt Einfluss auf die
Urin-Konzentrationsfähigkeit der Niere (Beispiel Diabetes insipidus).
Die zweite Gruppe umfasst Erkrankungen, die indirekt über ein
vermehrtes Durstempfinden (Polydipsie) Einfluss auf die Urinmenge
nehmen. Das Durstempfinden wird psychisch und nerval gesteuert und
kann dort auch gestört sein. Außerdem haben viele systemische
Erkrankungen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit der Nieren und
damit auch auf die Menge des Urin.
Ist unterhalb der Nieren der Harnweg "verstopft", staut sich der
Harn. In anderen Fällen wird zwar Urin von den Nieren hergestellt,
aber der Abfluss wird durch eine Erkrankung verhindert. Das können
z. B. Nierensteine sein, oder eine Prostatahyperplasie oder eine
Harnröhrenstenose. Diese Erkrankungen können dazu führen, dass ein
betroffener seine Harnblase nicht spontan entleeren kann. Solche
Ursachen für eine verminderte Urinausscheidung nennt man postrenal,
das bedeutet "hinter der Niere gelegen" (post= hinter, Ren= Niere).
Wird eine postrenalen "Verstopfung" entfernt, so kann es
vorübergehend zu einer vermehrten Urinausscheidung (Polyurie)
kommen. Der anfangs angestaute Urin fließt vermehrt ab. Danach
normalisiert sich in der Regel die Urinausscheidung wieder.
Bei Nierenversagen wird ebenfalls weniger Urin ausgeschieden. Ein
typisches Beispiel für eine verminderte Urinausscheidung, bei der
die Ursache im Bereich der Niere liegt, ist die Niereninsuffizienz,
das Versagen der Nieren ihren Aufgaben nachzugehen. Dann stagniert
die Produktion von Urin. Renale Ursachen einer vermehrten
Harnausscheidung können auch Nierenschädigungen sein, die Folgen
einer systemischen Erkrankung sind. Das ist zum Beispiel bei
Diabetes mellitus so.